Zertifiziertes Weiterbildungsprogramm für Lager im Bauwesen

Seminar

Brücken müssen aufgrund großer Vertikal- und Horizontalbeanspruchungen robust, tragfähig und dauerhaft gelagert werden. Aufgrund von Eigengewicht, Verkehrsbelastungen, Temperaturänderungen und verschiedener anderer Zustände wie beispielsweise Setzungen des Baugrundes müssen gleichzeitig Verdrehungen und Verschiebungen der Lager neben der Lastableitung möglich sein. Dies erfordert die Einhaltung von hohen technischen Qualitätsanforderungen in Herstellung und beim Einbau auf der Baustelle.
Somit handelt es sich um sicherheitsrelevante Bauteile, die den strengen europäischen und österreichischen Normen unterliegen. Neben einer ordnungsgemäßen Lagerkonzeption, einer den Regelwerken entsprechenden Lagerfertigung sowie einer umfassenden Qualitätskontrolle ist insbesondere der unversehrte Transport zum Bauwerk und der fachgerechte Einbau von Bedeutung.

In diesem fünftägigen Weiterbildungsprogramm mit zertifizierter Abschlussprüfung werden die erforderlichen Grundkenntnisse für die Herstellung, den sachgerechten Transport und den Einbau sowie die Prüfung der Lager in Theorie und Praxis vermittelt. Bei positivem Abschluss wird von der Zertifizierungsstelle der Titel „Zertifizierte Fachkraft für Lager im Bauwesen“ vergeben. Die Zertifizierung ist normative und bauvertragliche Voraussetzung für den Einbau von Brückenlagern bei Eisenbahn- und Straßenbrücken.

Inhalte des Weiterbildungsprogramms

Theoretische praxisorientierte Lehrinhalte

  • Lagerung von Brückenbauwerken
  • Lager im Brückenbau aus Sicht des Tragwerksplaners
  • heutiger Standard bei Brückenlagern
  • technischer Entwicklungsstand der Brückenlager
  • bauliche Durchbildung, Anwendungsbereiche, Leistungsmerkmale (Vor- und Nachteile der verschiedenen Lagertypen) sowie nationale und europäische und Vorschriften (Normen, insbesondere ÖNORM B 4021, Zulassungen und relevante Richtlinien)
  • Komponenten und deren Betriebsverhalten (mit Schwerpunkt hinsichtlich dem Reibungs-, Verschleiß- und Kriechverhalten)
  • Korrosionsschutz (Aufbau und deren Bedeutung für das Lager)
  • Vermessung und Zustandsbeurteilung von Brückenlagern
  • Qualitätssicherung (Überwachungssysteme, national und europäisch sowie Prüfbescheinigungen, Kontrollkarten gängiger Lagertypen, Protokoll für die Nullmessung, Typenschilder u. a.)
  • Kennzeichnung, Transport und Zwischenlagerung von Brückenlagern
  • Einbau von Brückenlagern, Praxisbeispiele und Vorgaben der ÖNORM B 4022
  • Bauverfahren und besondere Anforderungen bei der Instandsetzung
  • typische Schadensfälle, Schadensfrüherkennung, Beispiele aus der Praxis
  • Kontrolle und Sicherheitsbeurteilung im Bauwerk

Praktische Übungen

  • vermessen und beurteilen sowie öffnen und zusammenbauen von Brückenlagern
  • anheben, transportieren und zwischenlagern von Brückenlagern
  • versetzen und ausrichten von Brückenlagern sowie Ankerplatten auf Betonsockeln
  • Neigungsmessungen an ausgerichteten Brückenlagern
  • untergießen und unterstopfen von Lagerplatten Beurteilung der Mörtelfuge nach Entfernen der Lagerplatte

Versuchserörterungen

  • Belastungsversuche mit PTFE-Gleitelementen und stahlbewehrten Elastomerlagern
  • Gleitreibungsversuch mit einem PTFE-Gleitelement
  • Verschleißversuche mit UHMWPE Gleitelement (Ultra High Molecular Weight Polyethylen)

Kooperationspartner*innen

Dieses Weiterbildungsprogramm wird in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Bauen und Gestalten der FH Campus Wien und dem Kuratorium für Brückensicherheit angeboten.

Voraussetzungen

Qualifikation als Baufacharbeiter*innen, als Techniker*innen und als Ingenieur*innen mit Baustellenerfahrung.

Ihre Vorteile

Sie lernen die Regeln einer ordnungsgemäßen Lagerkonzeption, Lagerfertigung und das vorgeschriebene Kontrollprozedere mit der erforderlichen Dokumentation kennen. Sie können das so erlernte Wissen direkt in Ihrem Praxisalltag umsetzen.

Sie haben die theoretischen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen für sachgerechten und sicheren Transport, Einbau und Prüfung der Lager erworben.

Ihr erlangtes Zertifikat hat sechs Jahre nationale und internationale Gültigkeit und kann danach mit einem zweitägigen obligatorischen Auffrischungskurs verlängert werden.

Am Ende des Weiterbildungsprogramms sind Sie in der Lage

  • Vorbereitungen für den Lagereinbau zu treffen.
  • angelieferte Lager auf Qualitätskonformität mit den normgerechten Bestimmungen zu kontrollieren.
  • das montagefertige Lager unverändert und ohne Beschädigung zum Einbauort zu bringen und planmäßig zu versetzen.
  • sicher mit dem Einbau, Ausrichten, Untergießen und/oder Unterstopfen des Lagers umzugehen.
  • eine Nullmessung nach Belastung des Lagers vorzunehmen und somit die Lagereinbaudokumentation abzuschließen.

Lehr- und Lernmethode

In diesem Weiterbildungsprogramm werden folgende Lehr- und Lernmethoden angewandt: theoretischer Inputvortrag, Fallbeispiele, Praxisübungen in Kleingruppen, Vermessung, Ausrichten der Lager, Lagerverguss bzw. Unterstopfung herstellen und beurteilen.

Abschluss

Bei positivem Abschluss wird von der Zertifizierungsstelle TÜV AUSTRIA CERT GmbH der Titel „Zertifizierte Fachkraft für Lager im Bauwesen“ vergeben.
Die Zertifizierung ist normative und bauvertragliche Voraussetzung für den Einbau von Brückenlagern bei Eisenbahn- und Straßenbrücken.

Die Zertifzierungsgebühr von TÜV AUSTRIA CERT GmbH beträgt ca. € 500,00 (exkl. MwSt.) und ist separat zu bezahlen.

Zu den Vortragenden

Markus Vill ist Professor für Beton- und Brückenbau am Department Bauen und Gestalten der FH-Campus Wien und leitet das Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung. Nebenberuflich ist er als staatlich befugter und beeideter Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen im Bereich der Brückeninstandhaltung sowie als Prüfingenieur tätig. Er ist Mitglied des Normengremiums für Brückenbau und Vorsitzender des Komitees für Beton- Stahlbeton- und Spannbetonbau im österreichischen Normungsinstitut.

Armin Gerber ist promovierter DI und Absolvent der Universität Stuttgart im allgemeinen Maschinenbau und hat sich im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Materialprüfanstalt an der oben angeführten Universität mit dem Gebiet der Tribologie (Wissenschaft von Reibung, Verschleiß und Schmierung) befasst. Er hat zahlreiche Zulassungsversuche an Brückenlagern verschiedenster Bauart betreut. Als Sachverständiger für Lager im Bauwesen hat er in den entsprechenden nationalen und europäischen Ausschüssen (DIN, CEN und ÖN) mitgewirkt, sowie zahlreiche gutachterliche Stellungnahmen verfasst, Baustellenbegleitungen und Schadensuntersuchungen an Lagern durchgeführt. Des Weiteren war er als Leiter einer PÜZ-Stelle regelmäßig als Fremdüberwacher in namhaften zertifizierten Herstellerwerken von Brückenlagern im In- und Ausland tätig.

DI Unterreiter ist Absolvent der TU Graz inFachrichtung Bauingenieurwesen. Er war vor seiner Tätigkeit als Planer und Brückenprüfer 12 Jahre Bauleiter auf Bundesstraßen und Autobahnbaustellen vorwiegend im Brückenbau beschäftigt. Besonders bei den Brückeninspektionen, fast in ganz Österreich, wurden zahlreiche Brückenlager auf ihren Zustand überprüft und beurteilt. Dabei wurden auch sehr viele Schadensfälle, die auf Einbaufehler zurückzuführen sind, dokumentiert.
Mitglied im österreichischen Normengremium Brückenbau sowie in FSV-Ausschüssen (Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr)

Auf einen Blick

Zielgruppe Facharbeiter*innen, Polier*innen, Bauleiter*innen von ausführenden Firmen, Mitarbeiter*innen von Lagerhersteller*innen
Abschluss Teilnahmebestätigung (bei mindestens 80% Anwesenheit); Bei positivem Abschluss wird von der Zertifizierungsstelle der Titel „Zertifizierte Fachkraft für Lager im Bauwesen“ vergeben.
Vortragender

Dr. Ing. Armin Gerber

DI Johannes Unterreiter

FH-Prof. DI Dr.techn. Markus Vill
-> mehr Informationen
FH-Prof. DI Dr.techn. Markus Vill

Kooperationspartner

Dieses Weiterbildungsprogramm wird in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Bauen und Gestalten, Lehre und Forschung der FH Campus Wien und dem Kuratorium für Brückensicherheit angeboten.

Dieses Weiterbildungsprogramm wird in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Bauen und Gestalten, Lehre und Forschung der FH Campus Wien und dem Kuratorium für Brückensicherheit angeboten.
Veranstaltungsort FH Campus Wien
Favoritenstraße 226
1100 Wien
Teilnahmegebühr € 1.960,00 (USt.-befreit)